Direktimport aus den USA oder China: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Realität
Altis, Volcon, Rerode, Segway: Viele spannende Bikes gibt es nur in Übersee. Was der günstige Dollarpreis nach Zoll, Steuer und Fracht wirklich kostet.
Stand: 21.09.2026
Der Dollarpreis ist nicht der Endpreis
Wer ein Bike außerhalb der EU bestellt, zahlt auf den Warenwert plus Frachtkosten zunächst Zoll und darauf noch 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Der Zollsatz für Elektro-Zweiräder hängt von der Einreihung ab; für E-Motorräder und E-Mopeds liegt er typischerweise bei 6 Prozent, für Fahrräder mit Hilfsmotor aus China können zusätzlich Antidumping- und Ausgleichszölle von bis zu rund 80 Prozent fällig werden. Die Einreihung nimmt der Zoll vor, nicht der Verkäufer – hier liegt das größte Risiko.
Rechenbeispiel
Ein Bike mit 4.000 US-Dollar Warenwert und 600 Dollar Seefracht ergibt bei einem Kurs von 0,92 einen Zollwert von rund 4.230 Euro. Mit 6 Prozent Zoll (254 Euro) und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf die Summe (852 Euro) landet man bei etwa 5.340 Euro – vor Speditionsgebühren, Zollabfertigungspauschale und eventueller Inlandszustellung. Der Aufschlag gegenüber dem Dollarpreis liegt in der Praxis meist zwischen 35 und 50 Prozent.
Akkus sind Gefahrgut
Lithium-Ionen-Akkus über 100 Wh gelten im Transport als Gefahrgut der Klasse 9. Viele Spediteure nehmen Einzelsendungen mit fest verbautem Fahrzeugakku nicht an oder verlangen hohe Zuschläge. Manche Hersteller liefern deshalb EU-Bestellungen ohne Akku – dann muss der Akku separat aus dem EU-Lager beschafft werden, was den Preisvorteil weiter schmälert.
Keine EU-Konformität, keine Zulassung
Ein direkt importiertes Offroad-Bike hat in der Regel keine EU-Typgenehmigung. Für den reinen Einsatz auf Privatgelände ist das unerheblich, eine nachträgliche Straßenzulassung ist jedoch praktisch ausgeschlossen. Auch das CE-Zeichen des Ladegeräts sollte man prüfen: US-Ladegeräte sind häufig für 110 V ausgelegt.
Garantie und Ersatzteile
Die Herstellergarantie gilt bei Übersee-Käufen oft nur im Verkaufsland. Ersatzteile müssen einzeln importiert werden, mit denselben Zoll- und Steuerfolgen. Bei Marken mit EU-Importeur (etwa Altis über einzelne deutsche Händler) ist der Aufpreis gegenüber dem Direktimport daher häufig gut angelegt.
Alle Zollsätze und Beispielrechnungen sind Näherungswerte ohne Gewähr. Verbindlich ist die Auskunft des Zolls (zoll.de) und die tatsächliche Einreihung der Sendung.